Welches Garn für die Strickmaschine – und warum ich diese Frage nicht mehr mit einer Zahl beantworte
Vor ein paar Jahren hätte ich geantwortet: Nm 28/2, Merino, fertig. Das ist auch nicht falsch. Aber es erklärt nichts. Und wer nicht versteht, warum Merino gut läuft, kauft beim nächsten Mal wieder das falsche Garn – und wundert sich dann, dass es nicht klappt.
Das Thema, das ich hier anspreche, ist eigentlich simpel: Fasern verhalten sich verschieden. An der Maschine, beim Waschen, beim Tragen. Und wer das einmal verstanden hat, trifft beim Einkauf bessere Entscheidungen. Nicht immer die perfekten, aber deutlich seltener die falschen.
Was ich in meiner Praxis immer wieder sehe
Der Baumwollpullover, der nach dem Stricken auf einmal 8 Zentimeter länger ist. Der Alpaka-Cardigan, der nach dreimal Tragen auf den Knien hängt. Das Garn mit „Silk“ im Namen, das sich beim Einlegen in die Maschine aufführt wie nasser Sand.
Das sind keine Maschinenfehler. Das sind Faserfehler. Baumwolle hat keine Elastizität und dehnt sich unter ihrem eigenen Gewicht. Alpaka wärmt hervorragend, federt aber kaum zurück. Und „Silk Rayon“ ist Viskose mit Marketingname – keine Seide.
Wer das weiß, plant anders. Wer es nicht weiß, sucht den Fehler an der Einstellung.
Warum Wolle nicht einfach Wolle ist
Merino verzeiht Einstellungsfehler. Normale Schafwolle nicht unbedingt. Mohair sieht in jedem Webshop traumhaft aus – bis man ihn das erste Mal einlegt und merkt, dass die Fasern sich in allem verhaken, was mehr oder weniger haken kann. Kaschmir pillt schneller als die meisten denken, auch die teuren Sorten. Das liegt nicht an schlechter Qualität, sondern an der Faserstruktur.
Das Gleiche gilt für Pflanzenfasern. Baumwolle benötigt eine engere Mascheneinstellung als Wolle. Leinen ist störrisch. Bambus fällt wunderschön und dehnt sich genau deswegen beim Tragen aus. Keine dieser Eigenschaften ist ein Fehler – man muss sie nur kennen und einplanen.
Das mit den Etiketten
85 % Wolle, 15 % Polyamid. Klingt eindeutig. Aber welche Wolle? Schurwolle, Lammwolle und Merino sind drei verschiedene Dinge, auch wenn alle drei auf dem Etikett als „Wolle“ auftauchen können. Und Polyamid ist nicht gleich Polyamid – je nach Anteil und Verarbeitung macht es einen spürbaren Unterschied, ob das Garn für Socken oder für Pullover geeignet ist.
Garnetiketten lesen ist keine Raketenwissenschaft. Aber man muss wissen, wonach man schaut.
Was im Bundle steckt
Ich habe das alles in sechs PDFs aufgeschrieben: Fasern & Materialien. 48 Seiten über die wichtigsten Faserfamilien, ihr Verhalten an der Strickmaschine und was du beim Einkauf wirklich beachten solltest. Wolle und Tierfasern, Pflanzenfasern, Viskose und Seide, Synthetik als Beimischung, Mischungen lesen.
Einzeln kosten die sechs Module zusammen 29,40 €. Als Bundle zahlst du 19,90 €.
Wenn du das Gefühl kennst, beim Garneinkauf öfter danebenzutippen, als dir lieb ist – das ist der richtige Einstiegspunkt.
